Der Report Der Magd by Atwood Margaret

Der Report Der Magd by Atwood Margaret

Autor:Atwood, Margaret [Atwood, Margaret]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: ISBN 3-596-25987-8
ISBN: 9783548607184
Google: ZYLpGAAACAAJ
Herausgeber: Ullstein Taschenbuchvlg.
veröffentlicht: 1998-01-01T23:00:00+00:00


Kapitel sechsundzwanzig

Als zwei oder drei Wochen später der Abend der Zeremonie wieder herannahte, merkte ich, daß sich etwas geändert hatte.

Jetzt herrschte eine Verlegenheit, die es zuvor nicht gegeben hatte. Früher hatte ich es als eine Pflicht betrachtet, eine uner-freuliche Pflicht, die man am besten so schnell wie möglich vollzog, damit man sie hinter sich hatte. Beiß die Zähne zusammen, pflegte meine Mutter vor Prüfungen zu sagen, die mir bevorstanden, oder ehe ich zum Schwimmen ins kalte Wasser ging. Damals hatte ich nie weiter darüber nachgedacht, was dieser Satz bedeutete, aber er hatte etwas damit zu tun, daß ich mich wappnen sollte, und das tat ich, ich biß die Zähne zusammen.

Ich tat so, als wäre ich nicht da, nicht leibhaftig.

Dieser Zustand der Abwesenheit, des Existierens außerhalb des eigenen Körpers, hatte auch für den Kommandanten gegolten, das wußte ich jetzt. Vermutlich dachte er die ganze Zeit an andere Dinge, während er mit mir zusammen war – mit uns, denn natürlich war Serena Joy an diesen Abenden immer dabei.

Vielleicht hatte er darüber nachgedacht, was er tagsüber tat, oder über das Golfspiel, oder darüber, was er zum Abendessen gegessen hatte. Der Geschlechtsakt, den er mechanisch vollzog, muß für ihn weitgehend ein unbewußter Vorgang gewesen sein

– so wie wenn er sich gekratzt hätte.

Aber an diesem Abend, dem ersten seit Beginn dieser neuen Übereinkunft zwischen uns – wie immer sie geartet war, ich hatte keinen Namen dafür – , fühlte ich mich ihm gegenüber gehemmt. Zum einen spürte ich, daß er mich tatsächlich ansah, und das gefiel mir nicht. Das Licht war an, wie gewöhnlich, denn Serena Joy vermied stets alles, was die Andeutung einer romantischen oder erotischen Atmosphäre hätte schaffen können: Deckenbeleuchtung, hart, unbarmherzig, trotz des Baldachins. Es war, als läge ich auf einem Operationstisch, im gleißenden Licht, als wäre ich auf einer Bühne. Mir war bewußt, daß meine Beine behaart waren, struppig wie Beine, die früher einmal rasiert worden und deren Haare wieder nachgewachsen sind. Ich war mir auch meiner Achselhöhlen bewußt, obwohl er sie natürlich nicht sehen konnte. Ich kam mir plump vor. Der Akt der Paarung, der Befruchtung vielleicht, der nicht mehr für mich hätte sein dürfen als eine Biene für eine Blume, war für mich etwas Unschickliches geworden, ein peinlicher Verstoß gegen Sitte und Anstand, und das war er vorher nicht gewesen.

Der Kommandant war für mich keine Sache mehr. Das war das Problem. Ich erkannte es an jenem Abend, und diese Erkenntnis ist mir geblieben. Sie macht alles komplizierter.

Auch Serena Joy hatte sich für mich verändert. Früher hatte ich sie nur gehaßt, für ihren Anteil an dem, was mir angetan wurde – und weil sie auch mich haßte und mir meine Anwesenheit übelnahm, und weil sie diejenige war, die mein Kind aufziehen würde, falls ich schließlich doch imstande wäre, eines zu bekommen. Jetzt haßte ich sie zwar immer noch, und zwar am meisten, wenn sie meine Hände so fest packte, daß ihre Ringe sich in meine Finger einschnitten, und dabei meine Hände auch noch nach hinten riß, was sie bestimmt absichtlich



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